Mount Abu: Rajasthan - Sehenswürdigkeiten von Mount Abu - Der Dilwara-Tempel  - Der Achaleshvara Tempel 

Mount Abu: Rajasthan - Sehenswürdigkeiten von Mount Abu - Der Dilwara-Tempel  - Der Achaleshvara Tempel
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Mount Abu

Etwa 1200 m hebt sich im Süden der Aravallikette das Plateau von Mount Abu aus der hitzeflimmernden Ebene und bildet mit der reizvoll um einen See gelegenen Ortschaft ein beliebtes Ziel einheimischer Touristen während der heißen Vormonsunzeit (Mai-Juni). Bereits die Briten hatten hier eine ihrer Hillstations eingerichtet. Die Geschichte der Bergregion verliert sich in den Mythen der Vorzeit und ist unter anderem eng mit der Entstehungslegende einiger Rajputenclans verbunden, deren Ahnen durch den Weisen Vishvamitra anläßlich einer Opferzeremonie aus einem Feuerloch geschaffen wurden. Der südlich der Ortschaft Abu gelegene Tempel Gaumukh (Kuhmaul) erinnert mit seinem Tank Agni Kund (Feuerteich) und der von Krischna und Rama flankierten Statue des Weisen noch an jenes legendäre Ereignis. 

Der Name Abu geht auf die Schlange Arbuda zurück, die Kamadhenu, die Kuh des Überflusses, aus einer Grube rettete. Diese war aus der Quirlung des Milchmeers durch die Götter hervorgegangen und gilt als Symbol für die Fruchtbarkeit und den Reichtum Nordindiens in damaliger Zeit. Auch den Jains ist das bis zu 1722 m ansteigende Gebirgsmassiv, das höchste zwischen dem Himalaya im Norden und den Nilgiri-Bergen im Sueden, seit Urzeiten heilig und einer der vier Kardinlpunkte ihrer Religion (die anderen drei sind Girnar , Shatrunjaya ( beide in Gujarat) und Sameta Shikhara in Bihar). 

Der Dilwara-Tempel 
Von kunsthistorischem Interesse sind vor allem die einzigartigen Jaintempel von Dilwara, die Oberst James Tod, Gesandter in Rajasthan und Verfasser der Annals and Antiquities of Rajasthan, Ende letzten Jahrhunderts in einem Atemzug mit dem Taj Mahal nannte. Der von Mauern umschlossene Komplex etwa 6 km nordöstlich der Ortschaft Mt. Abu (Zutritt nur nachmittags, strenges Fotoverbot) besteht aus vier Tempeln unterschiedlichen Datums. Das älteste Heiligtum, der Vimalatempel, der bereits 1032 nach 14jaehriger Bauzeit geweiht wurde, verkörpert den Höhepunkt der Solanki-Architektur, einer durch die gleichnamige Dynastie (765-1197) geförderten lokalen Stilrichtung im westlichen Indien. Kennzeichnend sind neue Konstruktionsprinzipien im Tempelbau, vor allem aber die atemberaubende Weise, in der sich die Plastik in Handwerklich höchster Vollendung barock entfaltet, die hinduistische Götterwelt zum Leben erweckt und in überschwenglicher Erzählfreude die unerschöpfliche Vielfalt der Epen und Mythen an Pfeilern, Kuppeln und Friesen darstellt. Der Adinatha geweihte Tempel wurde von Vimala Shah gestiftet einem reichen Kaufmann aus Gujarat und Minister unter König Bhima Dev I. Vor Baubeginn mußte er vom lokalen Herrscher Dhara das Grundstück, das vorher Shiva heilig war, erwerben – und zwar indem er die Bodenfläche mit Silbermünzen bedeckte! 14 Jahre lang waren 1500 Künstler und 1200 Arbeiter unter der Aufsicht des damals berühmtesten Architekten Kirthidar damit beschäftigt, dieses Meisterwerk aus dem fast transparent wirkenden weissen Marmor der 20 km entfernten Steinbrüche von Arasoori zu schaffen. 

Im Jahre 1311 wurde das Heiligtum, wie auch die anderen Tempel der Anlage, durch Ala-ud-Din Khilji, den Muslimherrscher aus Delhi, erheblich zerstört, dann wieder liebevoll und sachkundig restauriert. Der 33 m lange und 14 m breite Bau besteht aus Sanktuarium, geschlossenem Vorraum, einer vorgelagerten schmalen Säulenhalle, die alle auf einer gemeinsamen Plattform ruhen, und der ebenerdig zwischen Eingang und Cella eingefügte Tanzhalle. Umgeben ist dieser zentrale Bereich von einer etwas erhöht verlaufenden Galerie mit doppelter Säulenstellung und insgesamt 57 in die Wand eingelassenen Zellen, in denen die recht uniformen Figuren der Tirthankaras (Furbereiter) ihren Platz haben. Um so prachtvoller und abwechslungsreicher ist hingegen der Deckenbereich gestaltet. (Der Rundgang erfolgt üblicherweise im Uhrzeigersinn entsprechend der Zellennumerierung.)

In Zelle 1 befindet sich das Idol des Neminatha, des 22. Tirthankara, der an seinem Hochzeitstag der Welt entsagte und auf dem Mount Girnar als Asket die höchste Stufe der Heiligkeit erlangte. An der Decke Lotosblüten, Löwen, Tänzer und Musikanten. Ähnlich gestaltet sind die Edckenrosetten der folgenden Schreine, bereichert durch Vögel und Frauen mit Opfergaben. Über der Zelle Nr. 8 predigt ein Acharya, ein Meister, über der folgenden sind die wichtigsten Momente im Leben eines Furtberiters dargestellt (Geburt, Verzicht, Erlangung der Erkenntnis, Erlösung). Bei Zelle 10 erfährt der Betrachter einige Episoden aus dem Leben Neminathas (Speil mit Vetter Krishna und den Gopis, das Blasen von Krishnas Muschel-horn, Hochzeitszug und Erlangung der Erkenntnis). Über Zelle 11 findest sich eine schöne Darstellung einer vierzehnarmigen Göttin. In der Ecke, zwischen den Zellen 22 und 23, hat ein Bildnis von Adinatha, dem ersten Furthreiter, seinen Platz. Der Tempelstifter selbst soll es, geleitet durch einen Traum, gefunden und dann hier aufgestellt haben. Besondere Beachtung verdienen die Arbeiten über Zelle 32. 

Im Zentrum besiegt Krishna den Schlangendemon Kaliya, umgeben von einigen Schlangenköniginnen, oben spielt er mit seinem Bruder Ball. Bei den Nummern 42 unten liegt er bewußtlos im Schlangenpfuhl. Bei den Nummern 42 und 43 steht die Gottheit Lakshmi im Mittelpunkt, begleitet von weiteren Göttern wie Indra, Varuna, Yama und Kubera. Um die Lotusblühte bei Zelle 44 reihen sich die Göttinnen Saravasti, Lakshmi und Kali mit ihren Reittieren (Vahana). Bei No. 49 begegnet uns im Zentrum des Lotos der Mannlöwe (Narasimha), die vierte Inkarnation Vishnus, der den Dämon Hiranyakashipu mit seinen Klauen tötet. Wir sind nun wieder am Eingang und treten unter die grosse flache Kuppel der von zwölf kunstvoll ornamentierten Säulen gestützten Tanzhalle. Sie entstand erst im 12. Jh. und wurde nur mit einer flachen, relative leichten Kragkuppel abgedeckt, um so einen größeren Saülenabstand zu ermöglichen. Um die einzelnen Ringe verlaufen Friese mit Gänsen (Brahma und seine Gefährtin Sarasvati haben eine Gans als Begleittier), Elefanten (einige halten mit den Rüsseln Menschen umschlungen), Schwänen und Reitern, die Speichen tragen die 16 Göttinnen der Weisheit. Die Säulen sind mehrfach waagerecht gegliedert und durch geschwungene ornamentierte Bögen verbunden. Den Eingang zum Heiligtum, zu dem der Zutritt für Nichtgläubige untersagt ist, bewachen zwei Figuren von Parshvanatha, dem Propheten der Jains. 

Vor dem Tempel liegt die eigenartig wirkende Säulenhalle Hastishala, die ein Abkömmling des Vimala Shah Mitte des 12. Jh. als Denkmal für seine Familie erbaut hatte. In drei Reihen wurden hier Elefanten aus Marmor aufgestellt. Sie sind jedoch ebenso wie die Statue des Stifters Vimala Shah von den muslimischen Turppen im Jahr 1311 stark beschaedigt worden. 
Stilistisch ganz ähnlich, jedoch 200 Jahre jünger ist der etwas höher liegende Tejapala oder Luna Vasahi-Tempel. Er wurde von den Brüdern Vastupal und Tejapal, einflußreichen und vermögenden Ministern unter Raja Bhima Dev II. Von Gujarat, in Gedenken an ihren Bruder Luna im Jahre 1230 gestiftet und dem Furbereiter Neminatha geweiht.


Auch dieses Heiligtum wurde Opfer des muslimischen Überfalls von 1311 und erhielt erst 1321 eine neue Kultfigur. Wieder begegnet uns die überbordende Vielfalt plastischer Gestaltung; teilweise wirkt sie in ihrer spätbarocken Ausprägung jedoch etwas überladen, obwohl die einzelnen Arbeiten wunderbar sind. Der rings um den Hof laufende Säulengang weist 52 den Furtbereitern und Göttinnen geweihte Schreine auf, deren davonfliegender Decken bereichert sich dem Betrachter auch hier als unerschöpfliche Galerie indischer Plastik darbietet. 

Über Zelle 1 begrüsst uns die Muttergottheit Ambika, die bei den Jains dem Neminatha als Botin dient. Über den Zellen 2 bis 6 begegnet uns Tänzerinnen, Schwäne und Pflanzen, bei Zelle 9 zeigt sich eine interessante Szene mit Booten, Fischen und dem Tempel von Girnar, umgeben von Mönchen, Nonnen und Laien. Über Zelle 11 wird wieder das Hochzeitsthema aus dem Leben des Neminatha aufgegriffen, als er sich kurz vor der Eheschließung dem Asketentum zuwandte. Vergeblich wartet seine Braut Rajmati auf ihn. Zwischen den Zellen 14 und 16 wird das Leben von Parshva und dem 16. Furtbereiter und Weltenherrscher Shanti illustriert. Entlang der gesamten Ostwand ist die Galerie durch Steingitter, hinter denen zehn Marmorelefanten aufgereiht sind, verschlossen. (Die Jains haben ähnlich den Hindus ihren Gottheiten Tragtiere zugeordnet. Der Elefant ist der Begleiter (Lanchana) des zweiten Furbereiters Ajitanatha.)

Prunkstück des Tempelinnern ist zweifellos die wie ein Lüster gestaltete Kuppel über der Tanzhalle mit den 16 Göttinnen der Weisheit auf den Konsolenträgern und 360 winzigen, im Kreis angeordneten Figuren von Mönchen und 72 Tirthankaras. Bemerkenswert auch die aus 108 Blätter geformte Lotosblüte im Deckenbereich der südwestlichen Ecke der Tanzhalle. Auf jedem Blütenblatt ist eine der Haltungen des klassischen indischen Tanzes abgebildet. Der gegenüber dem Vimalaheiligtum liegende Pittalhar-Tempel (15. Jh.) enthält ein Bronzebildnis des Adinatha. Hinsichtlich der Dekoration kann er sich allerdings nicht mit den beiden anderen Bauten messen, zumal er offensichtlich unvollendet blieb. Unterhalb hat jenseits des Zugangswegs der aus dem 15. Jh. stammende Kultbau des Parshvanatha seinen Platz. Wie das Heiligtum von Ranakpur weist er vier Tanzhallen und ein Sanktuarium mit vier Eingängen auf und gehört damit zum Typus eines Chaumukhabaus. Im Gegensatz zu Ranakpur sind die Mandapas hier aber noch nicht durch Eckschreine zu einem geschlossenen Quadrat verbunden und mit einer Mauer gegen die Außenwelt abgeschirmt. Zur Dekoration gehören einige schöne Wächterfiguren aus grauem Sandstein. 

Der Achaleshvara-Tempel 
Das Shivaheiligtum liegt 11 km nördlich von Mount Abu, etwa 5 km entfernt von Dilwara zu Füssen des Forts Achalgarh an einem kleinen künstlichen Tank. Das beliebte Pilgerziel soll gemäß einer Inschrift bereits auf das 8. Jh. zurückgehen, wurde in seiner heutigen Form jedoch 1234 durch die beiden Brüder, die auch den Tejapala-Tempel in Dilwara gestiftet hatten, gegründet. Berühmt ist der Bau durch die Zehe Shivas im Hauptheiligtum und einer von dort ausgehenden Öffnung, die bis in die Unterwelt reichen soll. Auch eine Figur der Parvati hat im Sanktuarium ihren Platz. 

Der aus Messing gearbeitete Nandi (1407) vor dem Hauptschrein weist Narben muslimischer Übergriffe auf. Rings um das Hauptgebäude reihen sich in dem von einer Mauer umschlossenen Hof zahlreiche weiteren Gottheiten geweihte kleine Heiligtümer, so etwa am Eingang links eines für Ganesh, gegenüber ein Schrein für Surya. Interesse verdient vor allem der links neben dem Haupttempel liegende Dwarka Mandir, an dessen rechter Wand sich die aus dem Jahre 1237 stammende erwähnte Stifterinschrift befindet. Im Innern eine bemerkenswerte Darstellung des in Hinduheiligtümern selten anzutreffenden Buddha, der als 9. Inkarnation Vishnus gilt. In dieser Erscheinungsform tritt Vishnu im Derzeitigen duestern, vom Niedergang gekennzeichneten Kali-Zeitalter (Kali-Yuga) auf. Neben dem Haupttempel erhebt sich ein Bogen, unter dem sich die Herrscher der Sirohi-Dynastie in Silber und Getreide aufwiegen ließen, um dies dann als Spenden an die Bedürftigen zu verteilen. 

Am Ufer des angrenzenden Tanks trifft man auf eine bemerkenswerte Skulpturengruppe von drei Wasserbüffeln und der aus Marmor gefertigten Figur des Königs Daravarsha als Bogenschutzen. Der Legende nach soll er die drei Tiere, hinter denen sich Dämonen verbargen, mit einem Schuss durchbohrt haben, als sie den mit heiligem Ghee (geklaerte Butter) gefüllten Tank leertranken. An mehreren Tempeln vorbei führt ein Weg durch einige Befestigungstore steil den Berg hinauf zu den spärlichen Überresten der von Rana Kumbha Mitta des 15. Jh. angelegten Festung, von der aus später auch die Herrscher von Sirohi sich erfolgreich gegen muslimische Eroberungsversuche zur Wehr setzten. Der Aufstieg lohnt aber höchstens wegen der Aussicht! Östlich der Aravallikette schlissen sich von den Flüssen Banas und Chambal entwässerte Hochebenen an, fruchtbare Agrarregionen, die von höheren Regenmengen während der Monsunzeit profitieren, aber dennoch vielfach auf künstliche Bewässerung angewiesen sind, entweder aus dem verzweigten Flusssystem oder durch Brunnen. Befestigte Städte und Forts findet man nur an herausgehobenen Gebirgszügen, von denen aus sich die kriegerischen Bewohner gegen Angriffe unliebsamer Nachbarn verteidigen könnten. Kein Rajputen Fürst hätte es vor der Zentralherrschaft der Moguln gewagt – zumindest ohne ein schützendes, auf einem Berg gelegenes Fort im Rücken, seine Residenz in die Ebene zu bauen. 

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