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Unter allen Städten Rajasthans, Jaipur vielleicht einmal ausgenommen, spiegelt Udaipur den Abglanz fürstlicher Prachtentfaltung wohl am deutlichsten.
Geschichte
Anlaß der Gründung war allerdings eine Tragödie, das Jauhar in der Festung von Chittaurgarh im Jahre 1567. Als die Übermacht der Truppen Kaiser Akbars erdrückend wurde, bestiegen bei diesem kollektiven Selbstmord die Männer die Tore öffneten und sich den Angreifern entgegenwarfen. Rana Udai Singh II. (1536 – 1572) hatte sich schon vor Beginn der Belagerung an den Picholasee zurückgezogen und entschloß sich nach der Niederlage, an den Ufern seine neue Residenz zu errichten. Der bereits 100 Jahre zuvor von einem Kaufmann angelegte künstliche See sicherte nicht nur die Wasserversorgung, sondern bildete auch eine fast unüberwindliche Bastion gegen feindliche Angriffe. Bereits im Jahre 1559, so will es die Legende, war Udai Singh dort einem Weisen begegnet, der ihm zur Errichtung einer neuen Metropole am Ufer des Sees geraten hatte.
Der Aufbau ging nur langsam voran, da Udai Singhs Nachfolger Rana Pratap (1572-1597) seine Lebensaufgabe vor allem im Kampf gegen die Moguln sah, die ihr Einflußgebiet immer weiter ausdehnten. Nach der Schlacht von Haldighati, in der ihm sein schwer verwundetes Pferd Cheetak das Leben rettete, musste sich Pratap 1576 der Übermacht beugen und Udaipur den islamischen Truppen überlassen. Durch Guerillataktik versucht er nunmehr, aus dem Untergrund der Kampf fortzusetzen, stand aber gegen das erstarkende Mogulreich auf verlorenem Posten. Als Held, besungen in zahllosen Gedichten und Liedern, hat er zumindest in der Geschichte von Mewar jedoch Unsterblichkeit erlangt. Sein Sohn Amar Singh I. (1597 – 1620) setzte den Freiheitskampf fort, bis er nach der Niederlage von Kamnor (1614) als einer der letzten Rajputenfürsten sich der Vorherrschaft der Moguln beugen mußte.
Die Freiheit war verloren, aber es herrschte Frieden in dem sich nun Kunst und Kultur entfalten konnten. Udaipur war, wie die anderen Städte Rajasthans auch, von wehrhaften, mit Bastionen besetzten Mauern umschlossen, durch die elf Portale Einlass gewährten. Nur ein Teil der Befestigung und Fünf Tore haben die Zeiten überdauert, noch immer aber sind Alt – und Neustadt deutlich voneinander getrennt.
Der Stadtpalast
Hauptattraktion sind die in und am See liegenden Paläste, die zum Teil noch heute dem Maharana Arvid Singh als Residenz dienen, dem amtierenden Oberhaupt des Hauses Mewar. Mit dem Bau des Stadt-palastes , dessen eindrucksvolle Fassade das östliche Ufer des Sees beherrscht, hatte bereits der Stadtgründer Udai Singh begonnen; aber erst ab 1614 gewann die Anlage in mehreren Bauphasen allmählich an Größe und Gestalt. Von der Altstadt her gelangt man durch das wehrhafte Hathi Pol (Elefantentor 1600) zunächst zum 1725 errichteten dreibogigen Tripoliator an der Nordseite des Innenhofs. Unter den zwischen beiden Toren liegenden acht Bögen ließen sich früher die Maharanas an ihrem Geburtstag in Gold und Silber aufwiegen, das dann an die Bevölkerung verteilt wurde.
Die rechter Hand sich auftürmende Fassade des Palastes, der Mardana, gehört größtenteils zum späteren Bauabschnitt. Hinter den fensterlosen, nur durch Türme aufgelockerten burgartigen Wänden im nördlichen Teil verbirgt sich ein bis zum Obergeschoß reichender Felsen, der heute unsichtbar, in den Komplex einbezogen wurde. In den ehemaligen Stallungen an der Ostseite sind neuerdings Souvenirläden untergebracht. Dass der Maharana es versteht, seine Wohnstatt zu vermarkten, hat er bereits zuvor durch Umwandlung eines Flügels in ein Luxushotel
bewiesen. Zur ältesten, bereits aus dem Jahre 1565 stammenden Bausubstanz zählen die am südwestlichen Ende des Hofs beiderseits des Durchgangstors Toran Pol liegenden Gebäude, von denen das südliche, für fremde nicht zugängliche, als Harem
diente. Man beachte das Sonnenemblem an dem Erker rechts oberhalb des
Tores, das Symbol edelster rajputischer Abkunft. Das Haus von Mewar führe seine Abstammung auf die Dynastie der Sisodia zurück, die ihren Ursprung wiederum in den Kshatriya
sieht, der von Sonne und Mond abstammenden arischen Kriegerkaste. Ihren Führungsanspruch unter den 36 Rajputenstämmen dokumentieren die Mewarherrscher auch in der
Ehrenbezeichnung, indem sie sich statt wie üblich Maharaja (großer Führer) Maharana
(großer Krieger) nennen und damit auch Bezug nehmen auf Udaipurs Rolle als unerschütterliche Bastion im Kampf gegen die
Moguln. Der Besucher betritt den vierstöckigen, aus zahlreichen mit Korridoren und Treppen verbundenen Räumen bestehenden Palast heute durch das Mardana
Deodhi. Zunächst gelangt man in den Hof Rajaya Angan, der noch zur ursprünglichen Palastanlage gehört und die auch in Chittaurgarh übliche Architektur erkennen lässt. An der Westseite liegt der nur aus einem einfachen Raum bestehende Dhuni
Mata-Tempel mit Bildnissen lokaler Gottheiten. Der Schrein oll an der Stelle
stehen, an der Udai Singh II. 1559 den Heiligen traf. Verewigt wurde im Hof auch das Pferd
Cheetak, mit dem Pratap Singh in der Schlacht von Haldighat die Flucht
gelang. Auf den Helden und die Schlacht beziehen sich ebenfalls die Exponate in den angrenzenden Räumen Haldi Ghati Kash und Pratap
Kash. Interessant ist die Waffensammlung mit einer
Elefantenruessel-Attrappe, die den Pferden vor den Kopf gebunden
wurde, um die Kriegselefanten und Pferde des Gegners zu
irritieren.
Über eine Treppe gelangt man zum Chandra Mahal, in dem sich die Privatgemächer
befanden. Bemerkenswert ist die Verbindung traditioneller hinduistischer
Architrav-Saeulen-Konstruktion mit der islamischen Bogenbauweise, wobei die Zackenbögenn nur als Konsolen ausgeführt sind und sich in der Mitte nicht berühren. Damit ließen sich breitere Säulenabstände
realisieren, ohne die Höhe zu verändern. Sehr schön sind auch die mit farbigen Glasscherben gefüllten Marmorgitter im
Erker. Durch einen Korridor erreichen wir den hübschen, sogar mit Bäumen bepflanzten Badi
Mahal, einen intimen, von Arkaden umschlossenen Innenhof, der den Abschluß des oben erwähnten Felsens bildet und erst unter Maharana Amar Singh (1698-1710) angelegt
wurde. Bis dahin hörte der Palast an Süd Seite des Felsen auf. Der weit vorspringende Balkon an der Nordseite gewährt einen großartigen Blick auf die
Stadt. Die Ausblicke auf den See auf der einen Seite und die Palastfront und die Stadt auf der anderen sind
einzigartig.Eine steile Treppe führt nun zum darunterliegenden Moti
Mahal, den Frauengemächern, in denen Spiegel und Glas für eine fast surrealistische Atmosphäre
sorgen. Diese als Shish Mahal (Spiegelsaele) bezeichneten Räume sind Merkmal fast aller rajputischen
Palastanlagen. Nebenan liegt der kleine für Andachten genutzte Bhim Vilas mit
Krishnadar-stellungen.
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Er soll an Krishna Kumari erinnern, die 16jaehrige Tochter des Maharana Bhim Singh (1778-1828), die sich der Vermählung mit einem rivalisierenden Fürsten durch Selbstmord
entzog, um keinen Krieg heraufzubeschwören. Die angrenzenden, den Hof Mor Chowk im ersten Stock umschließenden Räume dienten ebenfalls als Privatgemächer. Von den
schmalen, mit Gittern versehenen Fenstern des nördlichen Nila Mahal konnten die Damen am Geschehen im Hof unter ihnen
teilhaben. Im südlichen Priyatam Niwas, der als einziger Raum des Palastes Fenster nach Osten und Westen
aufweist, befanden sich die sehr einfach ausgestatteten Räume des seit seiner Jugend an den Rollstuhl gefesselten Maharana Bhopal Singh (1930-1955), eines ausgesprochen beliebten liberalen Landesfürsten, der sich von allem um den Ausbau des Erziehungswesens verdient gemacht hat. Der Verbindungsgang zwischen den beiden Räumlichkeiten,
Surya, Prakash genannt, wurde erst im 19. Jh. hinzugefügt.
Stufen führen hinab zum Surya
Chopar, einen Thronraum mit dem großen Sonnenemblem, dem Wahrzeichen des Hauses Mewar. Von hier begrüßte der Herrscher die aufgehende
Sonne. Der davor liegende Hof Mor Chowk (Pfauenhof) entstand Mitte des 17.
Jh. für die öffentlichen Audienzen. Seine verschwenderische Dekoration an der
Ostwand, die auch den darüberliegenden Surya Chowk mit
einbezieht, wurde allerdings erst Ende des 19. Jh. im Rahmen einer grundlegenden Umgestaltung
geschaffen. Zunächst hat man die Öffnungen zwischen den Marmorsäulen mit verputztem Mauerwerk geschlossen und den Hof dadurch von der davorliegenden Galerie
getrennt. In diese geschlossenen Lücken wurden dann die jugendstilartig anmutenden Pfauendarstellungen in Glaseinlegetechnik
plaziert. Dem Surya Chopar gegenüber liegt der Nila Mahal, in dem die Maharanas Hof
hielten. Die Innenausstattung stammt ebenfalls aus dem 19 Jh. und beinhaltet so kuriose Dinge wie in die Wand eingelassene europäische
Briefbeschwerer. Aber auch noch andere Stilbrüche lassen sich
ausmachen, so beispielsweise die Verkleidung der traditionellen Säulen mit rechteckigen
Pfeilern, deren Glaseinlegearbeiten die fehlende Harmonie kaum
aufwiegen.
Man betritt nun wieder den Hof Rajaya Angan, durch den man zum Ausgang
gelangt. Zuvor bietet sich jedoch die Möglichkeit zu einem kurzen Besuch des sogenannten Queen Palace, bestehend aus einem großen rechteckigen Hof und ihn umschließende
Zimmerfluchten, in denen vor allem Miniaturmalereien und Porträts britischer Kolonialoffiziere zu sehen
sind. An der Rückseite ist der ehemalige, in bedauernswertem Zustand befindliche Fahrzeugpark der Maharanas
aufgereiht. Zwischen den vielen Kutschen und Sänften auch ein Rolls Royce aus dem Jahre 1922.
Der Jagdish-Tempel
Auf einer erhöhten, von einer Mauer umschlossenen Plattrorm liess Jagat Singh I. (1628-1652) unterhalb der Palastanlage den Jagdish-Tempel (2)
erbauen; ein Heiligtum für den Gott Vishnu, das sich unübersehbar an den Vorbildern von Khajuraho
orientiert. Von einem kleinen Schrein blickt sein mythologisches Reittier Garuda auf den
Tempeleingang. Einige der rings um das Gebäude verlaufenden Figurenfriese mit
Elefanten, Tänzerinnen und Musikanten sind gelungene Arbeiten im Stil der mittelalterlichen
Traditionen. Im Jahre 1998 durchgeführte Reinigungsarbeiten haben dem Tempel leider etwas von seiner Patina
genommen, ihn dafür aber vor weiteren Schäden durch die beachtliche Luftverschmutzung
bewahrt. In kleinen Nebenschreinen werden die Gottheiten Radha und Krishna
verehrt, ein Tempel ist Surya, Shiva und Ganesh gewidmet.
Lustschloesser im Picholasee
Der im See schwimmende Palast Jag Niwas ist neben dem Taj Mahal der wohl wichtigste Repräsentant des von der Tourismusindustrie propagierten
Indienbildes. Im Jahre 1746 schuf sich hier Prinz Jagat Singh auf einer
kleinen, dem Palast vorgelegten Insel ein Lustschloss, das heute zu den begehrtesten Unterkünften des Landes zählt. Durch den Umbau zum Luxushotel ist viel der ursprünglichen Bausubstanz
verlorengegangen, ohne allerdings die einzigartige Ausstrahlung zu beeinträchtigen. Vorbild war der in der Nähe
liegende, noch unverändert erhaltene, wenn auch vom Verfall gekennzeichnete Wasserpalast Jag
Mandir, der etwa 100 Jahre früher unter Karan Singh begonnen und von Jagat Singh. I. fertiggestellt worden war. Im Jahre 1623 versteckte der Maharana hier für vier Monate den rebellischen Mogulprinzen
Khurram, den späteren Shah Jahan, vor den Nachstellungen seines Vaters
Jahangir, obwohl Khurram erst einige Jahre zuvor Udaipur unter die Herrschaft der Moguln gezwungen
hatte. Während der Meuterei von 1857 gewahrte der Maharana englischen Frauen und Kindern Zuflucht auf der
Insel.
Prinz Khurram soll im Gul Mahal gewohnt haben, dem größten Gebäude der
Anlage. Der obere, vollständig mit Marmor verkleidete Raum war mit Einlegearbeiten aus Edelsteinen geschmückt, wie sie wenige Jahre später am Grabmal des Itimad ud-Daula in Agra zu finden
sind. Ungewöhnlich für rajputische Architektur in Udaipur sind der runde Turm und die bengalischen Dächer der
Marmorchattris, typisch hingegen die Verbindung von Zackenbögen und Architravkonstruktion an den offenen Arkaden an der
Nordseite.
Die Umgebung von Udaipur
Das Dorf Jagat
Der etwa 50 km südöstlich von Udaipur im Dorf Jagat gelegene kleine Tempel für die Gottheit Ambika Mata ist sowohl hinsichtlich seiner Architektur als auch des Figurenschmucks ein kleines Juwel abseits der großen
Reiserouten. Er wurde im 10. Jh. unter der Herrschaft der Guhila von Mewar
erbaut, trägt jedoch die Züge der Bauhutte der
Gurjara-Pratihara, deren Wirken sich auch an den Heiligtümern von Khajuraho ablesen lässt. Kennzeichen auch dieses Tempels sind eine erhöhte Plattform
(Jagati) und eine mit flacher Kragkuppel gedeckte Versammlungshall
(Mandapa) mit vorgesetzten Portikus, zu dem man drei Stufen
emporsteigt. Ein innerer Umgang um das Sanktuarium fehlt
allerdings. Frühere, aus Westindien stammende Einflüsse wänden des Mandapa und die
Lotospodeste, auf denen die Figuren in den Nischen der Außenwände plaziert
sind. Aus der Spätphase des nordindischen Tempelbaus stammen hingegen der mit mehreren kleinen Shikharas umgebene Hauptturm und die mit Figuren ausgefüllten
Nischen, die als breites Band um Vorhalle und Hauptraum laufen. Tänzerinnen, verführerische Mädchen und Liebespaare begegnen
uns, löwenartige Wächterfiguren. Weltenhüter und Durga als Büffeltöterin. Etwa 20 m entfernt liegt die halbzerfallene Vorhalle des
Tempels.
Eklingji
Die aus 108 Heiligtümern bestehende Tempelanlage 22 km nördlich von Udaipur ist bis heute eng mit dem Haus Mewar verbunden
(Fotoverbot). Jeden Montag, dem Tag Shivas, erscheint der Maharana von Udaipur zum Gebet in dem für ihn reservierten Bereich der
Anlage.
Ein erstes Heilgtum soll von Bappa Rawal, dem Begründer des Clans der
Sisodia, in Mewar im 8. Jh. errichtet worden sein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es nach wiederholten Zerstörungen durch muslimische Truppen beträchtlich erweitert und immer wieder
umgebaut. Die 108 Tempel, von denen 70 Shiva geweiht sind – andere Vishnu, Ganesh und Durga -, liegen eng beieinander in einem von hohen Mauern umgebenen
Hof. Das zentrale Heiligtum, der Lakuli-shatempel mit der aus schwarzem Marmor
gefertigten. Viergesichtigen Figur des Sri Eklingji (ein Lingam, eine lokale Inkarnation
Shivas) entstand 977 von Hand derselben Meister, die auch den Tempel von Jagat
bauten. Vor dem Haupteingang zur achtseitigen grossen Halle findet man Darstellungen von Shivas
Reittier, dem Bullen Nandi (Messing und schwarzer Marmor), gefolgt von einem kleinen Stier aus Silber und einem noch kleineren aus Gold im
Tempel. Als Adorant steht hinter dem Messingbullen der Gründer Bappa
Rawal. Über dem Eingang zum Heiligtum ist der Heilige Harita Rishi
abgebildet, bei dem er seine religiöse Ausbildung erhalten
hatte.
In der hinteren linken Ecke des Tempelgevierts liegt ein Vishnu-tempel, der im 10.
Jh. von südindischen Künstlern geschaffen wurde. Neben Vishnu und Lakshmi sind auch einige erotische Darstellungen
erkennbar. An der gegenüberliegenden Wand des Bezirks ein Ganesh mit nach links weisendem Rüssel
(normalerweise wird der Gott mit nach rechts zeigendem Rüssel
dargestellt), darüber ein Elefant mit sieben Rüsseln, daneben ein Schrein für die Göttin Durga (Shiva Shakti in ihrer schrecklichen Form).
Nagda
Nur wenige Kilometer entfernt liegt etwas abseits der nach Udaipur führenden Strasse an einem künstlichen, heute größtenteils verlandeten See dieser Tempelkomplex (10.
Jh.), der einmal Bestandteil einer weiträumigen Stadtanlage war. Im 9.
Jh. soll hier der oben erwähnte Bappa Rawal residiert haben, ehe er Chittaurgarh von den Mauryas eroberte und zum Zentrum der Sisodia-Rajputen
machte. Moslemiche Invasionen haben den Ort nahezu dem Erdboden
gleichgemacht. Teilweise erhalten geblieben sind zwei auf einer gemeinsamen großen Plattform ruhenden Heiligtümer, bekannt als Sas-Bahu
(Schwiegermutter-Schwiegertöhter), die vor allem wegen ihres Rigurenschmucks zu herausragenden Zeugnissen hinduistischer Architektur zählen.
Die Festung Kumbhalgarh
Nur die gewaltige, mit halbrunden sich oben verjüngenden Bastionen versehende 36 km lange
Mauer, die am Rande der Aravalikette ein hügeliges Area von mehr als 84 km2 umschließt, vermittelt noch ein wenig von der Grossartigkeit dieser einst wehrhaftesten Festung auf indischem
Boden. Nicht nur Paläste, Tempel und Kasernen Schloss sie ein, sondern auch ein Dorf und Felder für die
Selbstversorgung. Rana Kumbha (1433-1468) hatte sie in strategisch besonders günstiger Lage auf einem Paß zwischen den Fürstentümern Mewar und Marwar anlegen
lassen, wobei er die Bausubstanz einer bereits bestehenden Verteidigungsanlage mit
einbezog. Nur einmal mußte sich das als uneinnehmbar geltende Kumbhalgarh unter der Herrschaft von Rana Pratap (1572-1597) dem Mogulherrscher
Akbar, der von den Truppen Ambers und Marwars (Jodhpur) unterstützt
wurde, ergeben, weil die Angreifer das Trinkwasser vergifteten.
Noch heute windet sich der Zufahrtsweg durch ein bewaldetes Gebiet und die sieben
befestigten, mehrere Kilometer auseinanderliegenden Tore. Am zweiten
(Hulla Pol) scheiterte 1567 ein Angriff Akbars, das dritte (Hanuman
Pol) verdankt seinen Namen einem Schrein des Affengottes, am sechsten
(Topkana Pol) gab es einen geheimen Fluchttunnel und am letzten
(Nimbu Pol) einen kleinen Tempel für die Muttergottheit (Ashtamatrika) Chamunda
Devi. Innerhalb des Gesamtkomplexes lag als Herzstück der befestigten Stadtanlage die Festung
Katargarh, in der sich auch der Palast des Rana Kumbha und der Legende nach 365 Tempel
befanden.
Von den zahlreichen Bauwerken sind nur noch wenige erhalten. Von der höchsten Spitze blickt der Badal Mahal
(Wolkenpalast) weit ins Land. Er wurde allerdings erst im 19. Jh. von Fateh Singh (1884 – 1930) erbaut und ist mit seinen Echoeffekten im Schlafgemach wird allerdings mit einem grandiosen Fernblick
belohnt. Das unterhalb liegende Nilakantha-Heiligtum, das mit seinen schmalen kannelierten Säulen ein wenig an griechische Tempel
erinnert, hatte hingegen bereits Rana Kumbha für seine täglichen Andachten errichten
lassen.
Ranakpur
Die Tempelanlage von Ranakpur, knapp 100 km nördlich von Udaipur in einem bewaldeten Flusstal
gelegen, gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der Jain Architektur in
Indien. Das Heiligtum entstand in über 60jaehriger Bauzeit im 15.
Jh.; gestiftet wurde es von einem reichen Jain kaufmann, der auch Minister Rana Kumbhas war.
Der gewaltige Haupttempel für den ersten Furtbereiter Adinatha bedeckt eine Fläche von 3716 m2 und besteht aus 29 geometrisch wurde nach einem bereits im 14.
Jh. verfaßten Text (Vastu Shastra) vom Architekten und Bildhauer Depa
gebaut. Dem zentralen Schrein mit dem viergesichtigen (Chaumukha) Marmokultbild sind in jeder Himmelsrichtung drei Mandapas
vorgesetzt, das Vestibuel, die Tanzhalle und die Eingangshalle, die durch Hinzufügen von Eckschreinen miteinander zu einem geschlossenen System verbunden
wurden. Zudem sind einige Mandapas in mehreren Stockwerken angelegt und wegen der Hanglage im inneren
terrassiert.
Nicht durch seine Größe beeindruckt der Tempel, sondern durch die Vielzahl gekonnt zusammengefügter Details, insbesondere Säulen und
Kuppel, sowie die einzigartige Lichtführung durch den teilweise offenen
Innenhof, die zu einer überirdischen Aura beitragen, der sich auch der Besucher nicht zu entziehen
vermag. Ranakpur verkörpert zusammen mit den Tempeln von Dilwara den Höhepunkt der Jain
Architektur, die perfekte Verschmelzung von religiösen Prinzipien mit ästhetischen Ansprüchen und zurückhaltender
Eleganz.
Entlang der Innenwaende reihen sich 86 Schreine fuer untergeordnete
Gottheiten, die an der Aussenfassade durch schmale, mit Gloeckchen und Wimpeln verzierte Tuermchen akzentuiert
werden. Die Eckschreine werden von kleinen Shikharas
abgeschlossen, ueber dem Heiligtum ragt der hauptturm hoch in den
Himmel, waehrend die Hallen mit flachen Kragkuppeln gedeckt sind. Von innen sind sie mit komplizierten geometrischen Mustern in Rosettenform
verziert, ergaenzt durch Figuren von Goettinnen auf den radialen
Streben. Die aufwendige Ausstattung und die Verwendung des kostbaren amber-farbenen Asrasana-Marmors wirft auch ein Licht auf die oekonomi-schen und sozialen Verhaeltnisse der damaligen
Jaingemeinden. Zum einen waren sie trotz Fehlens eines religioesen Fuehrers streng organisiert, zum anderen standen ihnen die Mittel fuer das aufwendige Bau-vorhaben zur Verfuegung, ein Zeichen
dafuer, dass unter der Regentschaft von Rana Kumbha politisch ruhige Zeiten
herrschten, in denen Wirtschaft und Handel bluehten. Rings um den Haupttempel gruppieren sich noch weitere
Heiligtuemer, darunter der Parsvanatha-Tempel (15. Jh.), der einen konvexen Shikhara hat und auch erotische Darstellungen
aufweist. Weiterhin der dem Furtbereiter Neminatha geweihte kultbau schraeg gegenueber Narayana-temel mit reichem Figurenschmuck an den
Aussenwaenden, darunter einer schoenen Darstellung des Sonnengottes
Surya.
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