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Die Hauptstadt Rajasthans (ca. 1,5 Mio. Einwohner), wegen ihrer unzähligen, in Rosarötenen gehaltenen Bauten auch Pink City
genannt, gehört sicherlich zu den sehenswertesten Städten Indiens und verdient mit ihren zahlreichen großartigen Beispielen Kunstschaffens durchaus einen längeren
Aufenthalt.
Geschichte
Benannt wurde sie nach ihrem Gründer Maharaja Jai Singh II.
(1699-1744), der nach dem frühen Tod seines Vaters Bishan Singh
bereits mit 12 Jahren den Thron von Amber bestieg und schon in
jungen Jahren den Mogulherrscher Aurangzeb derart beeindruckte,
dass er ihm den Ehrentitel Sawai verlieh (eineinviertel Mal
besser als alle zeitgenossen) – eine Bezeichnung, mit der sich
seither alle Thronfolger Jaipurs schmücken. Die Maharajas von
Jaipur gehören zu den wenigen, deren Herkunft sich bis in das
11. Jh. Verfolgen lässt, als Kakil Deo aus dem Rajputen clan
der Kachawaha die Festung Amber eroberte und zur Residenz erhob.
Sie selbst führen ihre Abstammung aber noch weiter zurück und
sehen sich als Erben der legendären Sonnendynastie von Ayodhya.Durch Heirat war das Haus von Jaipur seit Mitte des 16. Jh. eng
mit den Moguln verbunden. Sowohl Akbar wie auch sein Sohn
Jahangir hatten Töchter der Herrscher von Amber zur Frau. Diese
engen Familienbande fanden ihren Niederschlag in zahlreichen
Privilegien, wie z. B. Den Titeln von Heerführern und
Gouverneuren im Dienste der Mogulherrscher. Wie üblich war
damit auch ein beachtlicher Reichtum verbunden.
Mit der Vergrößerung des Reiches, das bald auch die
Fürstentümer von Mewar und Marwar einschloss, fasste Jai Singh
II. die Neugründung einer Hauptstadt ins Auge, zu der er am 18.
November 1727 den Grundstein legte. Möglicherweise wollte der
Herrscher damit seine Loslösung von der Mogulherrschaft nach
dem Tode Aurangzebs hatte. Schon zuvor hatte er sich allerdings
als eifriger Bauherr betätigt, etwa beim Observatorium in Delhi
und im Palast von Amber.
Mehr als einmal geriet Jaipur nach dem Tode seines Gründers im
18. Jh. in Bedrängnis. Im August 1748 fielen die Marathen in
Jaipur ein, zwei Jahre später stand Jaswant Rao Holkar vor der
Stadt und trieb Ishwari Singh (1743-1750) in den Selbstmord. Im
Jahre 1818 schloss Maharaja Jagat Singh den ersten Vertrag mit
den Briten und sicherte damit der Dynastie ein gewisses Mass an
Autonomie. Bei der Meuterei 1857 unterstützte Jaipur
tatkräftig die Kolonialherren und gehörte seither zu den
treusten Verbündeten.
Die Stadt wurde nach dem in Indien selten anzutreffenden
schachbrettartigen Muster angelegt, bestehend aus insgesamt zehn
nahezu quadratischen Vierteln, von denen neun wiederum ein
Quadrat bilden und über ein Netz sich rechtwinklig kreuzender
Straßen verfügen. Das zehnte, im Südosten angefügte Viertel
weist hingegen das in islamischen auf und wurde auch bevorzugt
von Muslimen bewohnt. Woher Jai Singh das Konzept übernommen
hat, ist nicht klar. Mögilcherweise liegen dem Raster kosmische
Bezüge zugrunde. Jai Singh beschäftigte sich ja, wie der Bau
etlicher Observatorien beweist, intensiv mit Astronomie und
Astrologie. Somit ließe sich die Stadt als eine Art Abbild des
Universums, als steingewordens Mandala interpretieren. Die neuen
Quadrate symbolisieren dann das neungeteilte Universum, wobei
das nördliche, genannt Chokri Sarhand, als Verkörperung des
heiligen Berges Meru dem Palast vorbehalten war.
Der besondere Reiz Jaipurs liegt darin, dass die noch
vollständig von Mauern umschlossene Altstadt von modernen
Bauten verschont geblieben ist und durch ihren einheitlich rosa
Farbton wie aus einem Guss wirkt. Den Anstrich erhielt die Stadt
allerdings erst 1876 aus Anlass des Besuchs des Prinzen von
Wales, des späteren Königs Edwards VII. Die Tradition wurde
bis heute beibehalten und sogar per Gesetz festgeschrieben.
Der Zugang aus der Neustadt erfolgt durch mehrere attraktive
Tore entlang der sich rechtwinklig schneidenden Hauptachsen. Das
Zentrum und die nördlichen Viertel der Altstadt sind dem Palast
und dem Observatorium vorbehalten. Dass der Palast recht
ungeschützt inmitten der Stadt lag und nicht, wie in Rajasthan
üblich, Teil einer Festung war, lässt auf die militärische
Stärke Jaipurs und das Selbstvertrauen des Erbauers in jenen
Tagen schlissen. Als rettende Zuflucht hatte Jai Singh II. für
den Notfall allerdings die als uneinnehmbar geltende Feste
Nahargarh (Tigerfestung) unmittelbar nordwestlich der
Palastanlage auf einen mit dem Fort Jungarh verbundenen Felsgrat
gesetzt und so eine hochliegende Bastion gegen potentielle
Angriffe aus der Ebene geschaffen. Aus diesem strategischen
Grund wurde die Stadt auch so nahe wie möglich an den
Gebirgszug gerückt und der perfekt symmetrische Grundriss dem
Sicherheitsgedanken geopfert. Dass der Schutz allerdings nicht
ausreichte, beweisen die mehrfachen Überfälle der Marathen.
Der Palast
Obwohl der nach wie vor vom Maharaja von Jaipur bewohnte Palaste
nur zum Teil der Öffentlichkeit zugänglich ist, offenbart sich
dem Besucher hier die legendäre Prachtentfaltung der indischen
Herrscher besonders eindrucksvoll. Im Gegensatz zu den frühen,
eher burgartigen Palastanlagen Rajasthans gruppieren sich die
Gebäude um mehrere Höfe in einem ummauerten Komplex, in den
auch ein größerer Garten einbezogen wurde. Die Anlehnung an
die Paläste der Mogulherrscher Jahangir und Shah Jahan ist in
dieser Residenz, die den Ausgangspunkt für die Stadtplanung
bildete, unübersehbar.Durch das
westliche Tor Virendra Pol betritt der Besucher heute den ersten
Innenhof, der vom Mubarak Mahal im Zentrum beherrscht wird. Das
elegante, durch seine zierlichen Säulen der umlaufenden Veranda
im ersten Stock grazil wirkende ehemalige Gästehaus entstand
1900 unter Aufsicht des Engländers Samuel Swinton Jacob, dem
State Engineer of Jaipur, und verkörpert die letzte bedeutsame
Phase indischer Architektur.
Heute ist im oberen Stock das Textilmuseum mit Gewändern der
Maharajas von Jaipur untergebracht, darunter eine Robe aus
Benares Brokat des schwergewichtigen (Gürtelumfang 1,80 m)
Maharaja Madho Singh I. (1880 – 1922), feinste Kaschmirstoffe
und traditionelle Holzdrucke, Brokate, mit Gold Durchwirkte
Schals, Glaswaren und Spielzeug der Prinzen. In der
nordöstlichen Ecke des Hofs hat die Waffenkammer ihren Platz.
In der sehenswerten Sammlung manifestiert sich die Vorliebe der
Rajputen für das Kriegshandwerk und ihr Erfindungsreichtum in
der Entwicklung besonders grausamer Waffen, so etwa einer Keule
in Form einer Lotosknospe, die sich in der Wunde des Opfers mit
zahlreichen Spitzen entfaltet. Zu sehen gibt es überdies das
gewaltige Schwert von Raja Man Singh I., die Schwerter der
Mogulherrscher Jahangir und Shah Jahan, Juwelen – schmückte
Dolche und einen Helm Akbars sowie Pistolen und Gewehre
unterschiedlicher Kaliber.
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Das dekorative, zu Beginn unseres Jahrhunderts zusammen mit dem
Mubarak Mahal ebenfalls aus Marmor gefertigte Rajender Pol an
der Nordseite des Hofs wird von zwei schön gearbeiteten
Elefanten aus Marmor bewacht
Sie wurden hier 1931 von Maharaja
Man Singh II. (1922-1970) aufgestellt, um die lange erhoffte
Geburt eines männlichen Nachfolgers (des derzeitigen Mahajaras
Bhawani Singh) zu feiern. Durch das Tor gelangt man in den
zweiten Hof mit der ursprünglichen öffentlichen Audienzhalle (Diwan-i-Am),
die ihre mongolische Abkunft kaum verleugnen kann, mit ihren
aufgemahlten pietra dura-Imitaten allerdings weit von deren
Qualität entfernt ist. Die Halle trägt heute den Namen
Sharbata Bhadra (private Audienz-halle order Diwan-i-Khas).
Prunkstücke sind die beiden 1,50 m hohen, 345 kg schweren
Silbergefaesse, die Madho Singh II. im Jahre 1902 fuer seinen
Besuch der Krönungsfeierlichkeiten von König Edwards VII. in
England anfertigen liess, um auch unterwegs nicht auf das
heilige Gangeswasser verzichten zu müssen.
In der neuen öffentlichen Empfangshalle (Ende 18. Jh./Anfang
19. Jh.) an der Nordostseite des Hofs ist nunmehr die
Kunstgalerie untergebracht. Präsentiert werden eine große
Auswahl von Miniaturen, darunter eine Darstellung mit Maria und
Josef, die zwei anbetenden blonden Engeln das Jesuskind zeigen,
Teppiche des 16. und 17. Jh. Aus Kabul und Lahore, ein
Manuskript der Bhagavadgita in Miniaturschrift und die üblichen
Fotos der Herrscherfamilie. Einen Blick verdient auch die um
1870 mit Blümenornamenten bemalte Decke. Durch das Ganesh Pol
im Westflügel des Hofs gelangt man in den angrenzenden
Pfauenhof (Pritam Niwas Chowk). An der Nord-seite wird er vom
Hauptgebäude der Residenz begrenzt, dem sieben-stöckigen
stufenförmigen, die Gesamtanlage überragenden Chandra Mahal,
der zwischen 1727 und 1734 als erstes Gebäude der Stadt
errichtet wurde und noch die kompakte Struktur der Rajutischen
Palastarchitektur erkennen lässt.
Akzentuiert wird die Fassade durch den Wechsel glatter
Wandflächen und vorspringender, übereinanderlegender, von
schmalen Säulen getragener Balkone. Allerdings haben die
Architekten die recht kleine Front mit zu vielen Details
überfrachtet und ihr so die Erhabenheit genommen, die früheren
Palastanlagen der Rajputen zu eigen ist. Kleine
kunsthandwerkliche Kostbarkeiten sind Allerdings die
Pfauendarstellungen über dem barock anmutenden Pfauentor und
die getriebenen Metallreliefs an den Türen.
Das
Observatorium
Unübersehbar springen am Zugangstor zum Stadtpalast die
futuristisch anmutenden Yantras, die Steinplastiken des Jantar
Mantar ins Auge. Schon früh hatte sich Jai Singh II. mit
Astronomie beschäftigt und bereits 1724 ein Observatorium in
Delhi errichtet, denen weitere in Jaipur, Varanasi, Ujjain und
Mathura folgten. Weniger Wissenschaftlicher Erkenntnisdrang
stand hinter diesen Ambitionen als vielmehr der Wunsch nach
möglichst präzisen Daten für die in der der indischen Kultur
tief verwurzelte Astrologie. Die Funktionsweise der in mehreren
Komplexen angeordneten Instrumente ist auch heute für den Laien
ohne astronomische Grundbegriffe wie Meridian, Azimut, Zenit,
Eklipse order Deklination nur schwer zu verstehen. Jaipur ist
das einzige Observatorium Jai Singhs, dessen Instrumente noch
voll funktionsfähig sind, deshalb soll hier kurz auf die
Bedeutung der drei wichtigsten Messstationen eingegangen werden.
Die zwei in die Erde eingelassenen halbkügelfoermigen Gebilde
(Jai Prakash Zantra) bilden den auf den Kopf gestellten Himmel
ab, wobei der obere Rand den in 360 Grad aufgeteilten Horizont
darstellt. In die gekrümmten Marmorsegmente sind Azimutlinien,
der lokale Meridian und der Himmelsaequator eingeritzt. Vier
Drähte halten einen kleinen Ring über dem Zentrum, dessen
Schatten über die Messlinien wandert. Einige Meter weiter steht
eine Doppelsonnenuhr (Narivalaya Yantra), bestehend aus zwei
kreisrunden, geneigten Scheiben. Die nach Norden gerichtete
Sonnenuhr zeigt die Jaipurzeit zwischen dem 22. März und dem
22. September, die südliche lässt sich im Winterhalbjahr
ablesen. Am 21. März und am 23. September, den Tagen der Sommer
– und Wintersonnenwende stehen beide Uhren, d. h. die Flächen
liegen im Schatten. Der höchste Komplex in der hinteren Ecke (Brihat
Samrat Zantra) ist eine überdimensionale Sonnenuhr. Das 44 m
lange und 27 m hohe Bauwerk mit einer Schräge von 27 Grad wirft
einen Schatten auf die halbkreisförmigen Bögen zu seinen
füssen, der pro Stunde um etwa 4 m wandert. Es lässt sich aber
auch für komplexere Beobachtungen von Zenitdistanzen und
Meridiandurchgängen nutzen.
Hawa Mahal
Wohl kein Gebäude Indiens, den Taj Mahal einmal ausgenommen,
ist so oft auf Film gebannt worden wie dieser sogenannte Palast
der Winde (3). In den Augen vieler Europaer verkoerpert er die
Exotik Indiens schlechthin, obwohl es sich nur um eine
kulissenhafte Illusion handelt, die von Kunsthistorikern eher
als Zeichen der Dekadenz und des Niedergangs der rajputischen
Architektur gewertet wird. Erbaut wurde die fünfstöckige,
bienenwabenartig mit 953 Fenstern und Erkern durchsetzte Fassade
am Ostrand des Palastkomplexes im Jahre 1799 von Pratap Singh,
um seinen Hofdamen, vor fremden Blicken durch Jalis geschützt,
einen Blick auf die unterhalb stattfindenden festlichen Umzüge
zu gewähren. In der Staffelung gleichartiger Elemente zu einer
sich verjüngenden Spitze hin verbergen sich hinter den
vorherrschenden islamischen Architekturformen des Hawa Mahal
aber auch Merkmale der hinduistischen Shikhara-Tempeltürme.
Das Government Museum
Der Ram Niwas-Park, der Ende des vergangenen Jahrhunderts im
Rahmen der Stadterweiterung geschaffen wurde, grenzt südlich an
die Altstadt. Die Grünanlage bildet den Rahmen für die Albert
Hall, zu der der Prince of Wales bei seinem Besuch 1876 den
Grundstein legte. Unter der Aufsicht des bereits erwähnten
Samuel Swinton Jacob wurde sie nach britischem Vorbild
errichtete. Sie gibt auch heute noch der umfangreichen
Kunstsammlung einen würdigen Rahmen.
Wie in vielen indischen Museen wird der Besucher hier mit einem
zuweilen befremdlichen Sammelsurium unterschiedlichster Exponate
konfrontiert, von kuriosen Skeletten bis zu erlesener Kunst.
Außergewöhnlich ist die Sammlung von Miniaturmalerei entlang
der Galerien im ersten Stock. Gezeigt werden u.a. Serien der
Bundi-schule (16. und 18. Jh), Werke aus Jodhpur (18. Jh.) in
denen die Personen ausschließlich im Profil dargestellt werden,
Miniaturen der Mogulschule mit lebendigen Szenen höfischen
Lebens. Makaber muten hingegen die in einem Seitenflügel
Aufsicht an; eher kurios das Nebeneinander von Schiffs – und
Eisenbahnmodellen, ausgestopften Krokodilen, einer ägyptischen
Mumie und Anatomiemodellen in anderen Seitenflügeln. Informativ
und gut erläutert sind hingegen die Dioramen im Erdgeschoß,
die regionalen Schmuck und Kleidung in ansprechendem Rahmen
präsentieren auch Szenen traditionellen Tanzes, des Holifestes
und einer Hochzeit mit lebensgroßen Figuren darstellen. Auch
dem berühmten rajasthanischen Kunsthandwerk ist breiter Raum
gewidmet.
Die Umgebung von Jaipur
Unmittelbar oberhalb der Nordwestecke der Stadt thront das Fort von Nahargarh
(Tigerfestung), das zusammen mit der Stadt Mitte des 18. Jh.
Entstand. Lohnend ist der Ausflug vor allem wegen der einzigartigen Aussicht auf
Jaipur. Einen Blick verdient aber auch der im. 19. Jh. entstandene Madhavendra Bhavan mit hübschen
Blumenfresken. Von den Marmorsäulen sollte man sich nicht täuschen
lassen, sie bestehen nur aus Stuck als perfektem Imitat.
Am Web nach Amber, der nächsten grossen Sehenswürdigkeit in der Umgebung von
Jaipur, trifft man Zunächst auf den in einem künstlichen See liegenden Jai
Mahal, einen der in Rajasthan beliebten Wasserpaläste, der von Madho Singh I. (1760-1778) als Jagdschloss gebaut
wurde. Er verkörpert zwar die festungsartige Bautradition der
Rajputen, gleichwohl fehlt ihm ein wenig Ausstrahlung. Die Chattris und bengalischen Dächer verschmelzen nicht mit dem Baukörper zu einem harmonischen
Ganzen, sondern bilden allenfalls losgelöste dekorative
Elemente.
Am nördlichen Ende des Stausees lohnt sich ein kleiner Abstecher nach rechts zum Komplex Jai Mahal
Talav, wo den Besucher ein sehr schön restaurierter Mogulgarten
erwartet. Kurz hinter dieser Abzweigung führt von der Strasse
Jaipur-Amber nach links eine kurvenreiche Zufahrt zum weiträumigen Fort Jaigarh
hinauf, das erst seit relative kurzer Zeit zugänglich ist und allem durch seine Befestigungen lagen und den Blick auf Amber
beeindruckt. Das Museum, untergebracht in zwei langen Galerien, zeigt überwiegend Erinnerungstücke und Fotos der Maharajas von unterschiedlichen
Kriegsschauplätzen.
An der höchsten Stelle hat unter einem Dach die Riesenkanone Jaivan Ihren
Platz, die ihre Feuerkraft allerdings niemals unter Beweis stellen
musste. Am Fusse des Gebirgszuges liegen in Gaitor , der königlichen
Verbrennungsstätte, die teilweise prachtvoll gestalteten Kenotaphe der Maharajas von
Jaipur. Die Gedenkstätten der Maharanis befinden sich einige Kilometer
entfernt, rechts an der von Jaipur nach Amber führenden Strasse, ein Stück vor dem Wasserpalast Jai
Mahal.
Amber
Die etwa 10 km nordöstlich von Jaipur gelegene alte Hauptstadt Beherrscht von einer Bergflanke aus das schmale Tal zwischen zwei Gebirgszügen der
Aravallikette. Bereits im frühen 10. Jh. ließen sich hier die Minas
nieder, mußten jedoch um 1150 dem Rajputenclan der Kachhawaha
weichen. Bis zur Verlegung der Residenz nach Jaipur im Jahre 1727 was Amber Residenz dieses einflußreichen
Fürstentums.
Die Palastanlage bietet sich als ein aus mehreren Höfen
bestehender, treppenförmig ansteigender rechteckiger Komplex, der in Mehreren Bauabschnitten zwischen 1600 und 1727
entstand. Senk rechte, mit turmartigen Bastionen und kleinen Balkonen versehene Wände vermitteln den für viele Paläste Rajasthans charakteristischen burgartigen
Charakter. Auf einem im Zickzack geführten Weg gelangt man durch ein Vortor zum Suraj
Pol, dem Eingang Zum unteren Hof Jaleb Chowk , in dessen Gebäuden die Palastwache untergebracht war. Es handelt sich um die letze Erweiterung der Anlage kurz vor der Verlegung der Hauptstadt nach
Jaipur.
Rechts neben der Treppe, die zur nächsten Ebene führt, liegt etwas zurückgesetzt der Shila Devitempel mit einer Figur der Gottheit Kali, die nach einem erfolgreichen Feldzug im Auftrag Akbars zu Beginn des 17.
Jh. Aus Bengalen nach Amber gebracht worden war. Bemerkenswert sind die Silberarbeiten an der Tür und die beiden zu Füssen des Idols liegenden silbernen
Löwenfiguren.
Den nächsten höherliegenden Hof, Mitte des 17. der Palastanlage
hinzugefügt, erreicht man durch das Singh Pol, aus strategischen Gründen jedoch nicht auf direktem
Weg, sondern erst nach einer 90 Grad Wendung nach links, die einen Frontalangriff vereiteln
sollte. Den Besucher erwartet hier mit der öffentlichen Audienzhalle
(Diwan-i-Am) ein architektonisches Meisterwerk. Die äußeren Doppelsäulen des Hallenbaus bestehen aus rotem
Sandstein, die inneren aus gelblichem Marmor. Die von den Kapitellen ausgehenden Konsolen sind der hinduistischen Tempelarchitektur entlehnt und mit Tierfiguren
verziert. Das baldachinartige Dach mit einer sogenannten Spiegeldecke orientiert sich hingegen an den Bauwerken
Akbars, entstammt ursprünglich jedoch der altindischen
Holzbauweise.
Der außergewöhnliche Bau soll den Neid des Mogulherrscher Jahangir erweckt
haben, dessen Vasall der Maharaja von Amber damals war. Er wollte bei seinem Untergebenen kein prachtvolleres Bauwerk
dulden, als er selbst es besaß, und ordnete die Zerstörung an. Ehe die Abgesandten des Moguln jedoch in Amber
eintrafen, hatte man den Diwan-i-Am mit einem Stucküberzug verunstaltet der keinen Zweifel daran
liess, dass die Bauten Jahangirs weitaus prächtiger waren – der Herrscher war
besänftigt, die Kostbarkeit gerettet.
Der Zugang zum nächst höher gelegenen Hof erfolgt durch den beeindruckenden Torbau des Ganesh
Pol, der wahrscheinlich von Jai Singh II. noch kurz vor dem Umzug nach Jaipur in Auftrag gegeben worden war. Mit seinem Zentralbogen und den beiderseits doppelstöckig angeordneten Portalnischen lässt sich eine Anlehnung an Torbauten der Moguln
erkennen. Andererseits jedoch sind die hervorspringender Erker und die feinen Steinarbeiten eher rajputischen Ursprungs und später auch and den Toren des Palastes von Jaipur zu
finden. Gleiches gilt für die an Miniaturen erinnernden
Malereien, etwa der des Ganesh über dem Eingang im Zentralbogen, der wie an vielen Palästen Rajasthans die Trennung zwischen öffentlichem und privatem Bereich
anzeigt. Das Tor besteht aus zwei hintereinanderliegenden
Räumen, durch die man ebenfalls einen Haken schlagen muss, um in den Privatbereich des Palastes zu
gelangen. Vom Hof aus gibt sich das Tor nicht zu erkennen, nur zwei schmale Türen in einer glatten Wand markieren die Verbindung zwischen den beiden
Höfen.
An die Ostwand des von einer hohen Mauer umschlossenen Hofs ist der Jai Mandir (private
Audienzhalle) angebaut, eine Säulenhalle mit Zackenbögen, der bei Rajputen beliebten Spiegeldekoration an der Decke und hübschen Pflanzenmotiven an den
Wänden. Auf dem als Terrasse ausgebildeten Dach liegt der Pavillon Jass
Mandir, der bis zur Außenwand der Palastanlage reicht und durch seine durchbrochenen Fenster nicht nur einen herrlichen Blick ins Tal
gewährt, sondern auch an heißen Tagen eine Kühle Brise
verspricht. Mit seinem bengalischen Dach und den beiden Kuppeln wirkt
er, insbesondere im Zusammenklang mit dem Jai Mandir, ausgesprochen
harmonisch. Ganz ähnlich ist der auf derselben Terrasse über dem Ganesh Pol errichtete Pavillon an der Nordseite
gestaltet. Auffallend ist auch die überreiche Verzierung mit farbigem
Glas.
An der Westseite des Hofs liegt der Suk Niwas (Halle der
Zufriedenheit), aus dessen Mitte ein in Marmor gefaßter Kanal in den Garten
fließt, der im Inneren Kühlung verschaffte. Über die Terrasse des Jass Mandir gelangt man in den letzten
Hof, der heute als Zenana (Harem) bezeichnet wird, jedoch den ursprünglichen Kern des Palastes
bildet. Alle anderen Höfe wurden erst später ergänzt. Der elegante Pavillon im Zentrum paßt nicht recht ins Bild und wurde wohl im Rahmen der Palasterweiterung
hinzugefügt.
Die
Umgebung Von Jaipur
Gaitor
Die
königlichen Ehrengrabmäler liegen bei Gaitor, 6,5 km von Jaipur
entfernt an der Straße nach Amber. Sicher sind auch Sie von dem
weißen Marmorgrabmal des Maharadscha Jai Singh II. am meisten
beeindruckt. Es ist mit geschnitzten Pfauenbildern geschmückt.
Gleich daneben kann man das Grabmal seines Sohnes sehen, und
gegenüber steht inmitten eines Sees der Wasserpalast Jai Mahal.
Sie erreichen ihn über einen Damm. So ganz mitten im See steht
der Wasserpalast allerdings mittlerweile nicht mehr, denn die
Wasser-Hyazinthen verdrängten ihn mit ihren Wurzeln. Weitere
Grabmäler der königlichen Familie befinden sich außerhalb der
Stadtmauern.
Galta
Verlassen Sie Jaipur durch das Surya Gate, dann sind es noch 2,5
km bis zum Tempel des Sonnengottes in Galta. Er steht 100 m
oberhalb der Stadt im Osten und gewährt den Besuchern einen
herrlichen Blick in die Ebene ringsum. Hinter dem Tempel sehen
Sie eine tiefe Schlucht mit einigen Tempeln.
Tiger
Fort
Auf
einem Bergkamm, 6,5 km von der Stadt entfernt, liegt das Fort
Nahargarh. Sie erreichen es auf einer mittlerweile befestigten
Straße von Amber aus durch hügelige Landschaft. Natürlich bringt
Sie auch eine Ricksha dorthin. Jedoch sind die letzten 1/½ km
ein reiner Zick-Zack-Kurs, bis schließlich der Gipfel erreicht
ist. Die Mühe lohnt sich aber. Außerdem können Sie sich in einem
kleinen, aber guten Restaurant hoch oben erholen. Das Fort wurde
1734 gebaut und im Jahr 1868 erweitert.
Fort
Jaigarh
Das
imposante Fort Jaigarh ist erst seit 1983 für die Öffentlichkeit
zugänglich. Jai Singh ließ es 1726 erbauen. Es liegt nicht weit
von Amber entfernt und bietet vom Wachtturm (Diwa Buri) einen
guten Ausblick in die Tiefebene. Das Fort und seine
Sehenswürdigkeiten, wie das Wasserrservoir, die Wohnbereiche,
das Puppentheater und die Kanone (Jaya Vana), können in der Zeit
von 9.00-16.30 Uhr besichtigt werden.
Sisodia
Rani-Palast und Gärten
8 km
außerhalb der Stadt an der Straße in Richtung Agra gelegen,
baute der Maharadscha Jai Singh diesen Palast für seine zweite
Frau, die Prinzessin Sisodia. Die Äußeren Mauern des Palastes
sind durch Wandgemälde mit Jagdszenen und Darstellungen der
Krishna-Legende geschmückt. Der Palast ist von Terrassengärten
umgeben.
Vidyadhars Garten
Dieser
wunderschöne Garten wurde zu Ehren des Chefarchitekten und
Planers von Jai Singh angelegt. Er liegt eingebettet in ein
enges Tal.
Sanganer
Diese
kleine Stadt, 16 km südlich von Jaipur, betreten Sie durch zwei
Tripolia (dreifache Stradttore). In der Stadt selbst finden Sie
Palastruinen und eine Anzahl von Jain-Tempeln mit sehr schönen
Schnitzereien. Der Zutritt zu den Tempeln ist jedoch nicht
gestattet. Die Stadt erwarb sich einen guten Namen wegen des
handgearbeiteten Papiers und der Handdruckereien.
Balaji
Der
hinduistische Exorzisten-Tempel von Balaji liegt etwa 1½ km von
der Straße zwischen Jaipur und Agra entfernt. Eine Busfahrt von
Bharatipur dauert etwa 1½ Stunden. Der Exorzismus wird hier
manchmal in recht brutaler Weise ausgeführt. Die “Opfer” haben
keine Hemmungen, ihre Erfahrungen offen zu diskutieren.
Das
Shekhawati-Gebiet
Shekhavati, die nordwestliche Einflusssphare des Maharajas von
Jaipur, umfaßt eine recht kleine, jenseits der Arvallikette
gelegene Region, die heute von den Distrikten Churu, Jhunjhunu
und Sikar eingenommen wird. Ihren Namen hat sie vom
Rajputenfürsten Rao Chekha, der, wie die Maharajas von Jaipur,
dem Clan der Kachhawah angehörte. Im 15. Jh. Hatte er einen
beträchtlichen Teil dieses Gebiets unter seine Kontrolle
gebracht und sich auch von Amber losgesagt, dem der Clan bis
dahin tributpflichtig war.
Geschichte
In dem trotz seiner Trockenheit dicht besiedelten Landstrick
entwikelten sich im Laufe der Jahrhunderte etliche kleine, von
Jaipur abhängige Fürstentümer, deren Paläste heute zum Teil in
reizvolle Hotels umgebaut wurden. Aber nicht sie allein bilden
den Anziehungspunkt dieser ländlichen Gegend abseits des Trubels
der Grossstädte, es sind die bemalten Kaufamannshäuser, die
Havelis, dis den Besuch zum Erlebnis werden lassen.
An den grossen, aus dem Nordwesten kommenden Karawanenrouten
gelegen, konzentrierte sich in Shekhawati seit früher Zeit der
Handel. Waren aus Lahore und Peshawar (die heute zu Pakistan
gehören) wurden hier ebenso umgeschlagen wie Güter auf dem Weg
von Gujarat nach Delhi. Gehandelt wurden Stoffe, Tabak,
Edelmetalle, Opium, Schmuck, Papier und Elfenbein, aber auch
Eisenerz Weizen, Reis und Trockenobst.
Dass sich gerade Shekhavati zu einem Handelszentrum entwikelte,
lag nicht nur am hervorragend organisierten Verkehrswesen,
sondern auch daran, dass die Fürstentümer Bikaner im Nordwesten
und Jaipur im Süden zu Beginn des 19. Jh. Hohe Zölle für den
Warentransit verlangten, um ihre Staatskassen zu füllen und so
die Karawanen zu Umwegen durch das zollfreie Gebiet zwangen. Man
unterschied Karawanen für Handel, Viehtrieb und
Personenbeförderung. Auch eine Versicherung der Waren gegen
Diebstahl und Beschädigung war nicht unbekannt, wobei die
Versicherungsagenten für bewaffneten Schutz sorgten. Als die
Briten durch den Ausbau der Häfen Bombay und Calcutta neue
Ökonomische Zentren schufen, erkannten die Kaufleute von
Shekhavati schnell die sich für sie ergebenden Chancen und
verlegten ab 1820 ihr Tätigkeitsfeld zunehmend in die neuen
Metropolen wirtschaftlicher Macht.
Die Häuser der marwarischen Kaufleute, die Havelis, waren ganz
auf diesen Warenverkehr und – umschlag ausgerichtet. Sie sind
den in der islamischen Welt üblichen Fonduks verwandt, die als
Warenlager und Wohnhaus dienten. Ein (gut verschließbares) hohes
Tor, das auch beladene Kamele passieren können, führt in einen
allseitig von mehrstöckigen Gebäudeflügeln umschlossenen
äusseren Hof. Hier lagen der oftmals besonders prachtvoll
ausgeschmückte Empfangsräume (Baithak), in dem der Hausherr
seine Gäste empfing, aber auch die Quartiere für die Männer und
Lagerräume. Kleine Türen führten in den zweiten privaten Hof des
Haveli, wo sich das häusliche Leben abspielte. Nur durch ein
kleines Fenster in der Verbindungswand
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