Jodhpur - Rajasthan : Geschichte und Sehenswürdigkeiten von Jodhpur

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Jodhpur

Im Jahre 1212 wurden die Rathor von Kanauj nach der gegen Sultan Iltutmish verlorenen Schlacht aus ihrer Heimat vertrieben und zogen unter der Führung von Siha nach Marwar, ins Land es Todes, wo sie sich zunächst in Pali niederließen. Danach fiel ihnen Mandor zu, das sie jedoch 1459 zugunsten des strategisch vorteilhafter gelegenen Felsmassivs von Jodhpur aufgaben. 

In späteren Jahren erwiesen sich die Herrscher von Jodhpur zunächst als getreue Vasallen der Moguln, wofür Rao Udai nach der Eroberung Ahmedabads im Jahre 1578 von Akbar den Ehrentitel Raja erhielt. Sein Sohn Sur Singh (1581-1595) verleibte dem Mogulreich in Akbars Auftrag Gujarat und Teile des Dekhan ein, Jaswant Singh (1639-1678) unterstützte 1658 Shah Jahan in den 
Auseinandersetzungen gegen Aurangzeb, wofür er mit dem Titel Maharana belohnt wurde. Er fiel als Kommandant der Mogultruppen in Kabul, ohne mündigen Erben. Aurangzeb wollte das Machtvakuum nutzen, um sich Marwar einzuverleiben, und löste damit einen fast dreißigjährigen Krieg aus. Erst 1709 gelang es Maharaja Ajit Singh (1709-1724), die Moguln aus Ajmer zu vertreiben und damit auch Marwars Unabhaengigkeit wieder herzustellen. Besonderes Verdienst im Befreiungskampf kam dem Raja von Durga Das zu. Nach dem Tode von Jaswant Singh hatte er den am Hof von Aurangzeb in Delhi gefangengehaltenen Säugling Ajit aus dem Palast geschmuggelt und damit die legitime Nachfolge des Hauses Marwar gesichert. Lange konnte sich Ajit Singh der neu gewonnenen Freiheit allerdings nicht erfreuen, 1724 fiel er einem Mordanschlag seines jüngsten Sohnes zum Opfer. In den unruhigen Zeiten des ausgehenden 18. Jh. wurde Marwar den überlegenen Marathen, die im Gefolge des Niedergangs der Moguln zur beherrschenden Macht aufgestiegen waren, 
tributpflichtig. 

Wie die meisten Fürstentümer band sich auch Jodhpur 1818 vertraglich an England und tauschte dadurch seine politische Bewegungsfreiheit gegen die Sicherheit der Pax Britannica. Seine Loyalität zur Kolonialmacht stellte Jodhpur durch Unterstützung der Engländer im Sepoy Aufstand von 1857 und den beiden Weltkriegen unter Beweis. Dominiert wird das Stadtbild von der hoch auf einem Felsen thronenden Festung Mehrangarh, mit der Rao Jodha, der 15. Regent der Rathordyanstie, 1459 der Grundstein zur neuen Hauptstadt des marwarreichs legte. Wie üblich war die Stadt von einer wehrhaften Mauer umschlossen, von der allerdings nur noch einige der ehemals sieben Tore erhalten sind. Als Stadt hinterlässt Jodhpur, verglichen etwa mit Udaipur oder Jaipur, keinen bleibenden Eindruck. Das Fort besteht aus einer kompakten Palastanlage an der Südseite, umschlossen von rings um den Felsen verlaufenden Bastionen und Befestigungsanlagen. Der Zugang erfolgt durch einen mit vier Toren gesicherten Serpentinenweg. Heute betritt man das Fort durch das Jai Pol (1809) im Norden, Früher durch das am weitesten von Palast entfernt gelegene Fateh Pol im Südwesten. Links hinter dem Jai Pol ein Chattri für Kiritisigh Sodha, einen im Kampf gegen Jaipur 1808 gefallenen Krieger, dem der Maharaja aufgrund überragender Tapferkeit sogar ein Gedicht gewidmet hatte

Vor dem zeroyrm Tor (Ded Kangra Pol) sind links an der Wand die Einschläge von Kanonenkugeln markiert, die vom Angriff Jagat Singhs aus Jaipur stammen, der Stadt und Festung 1808, unterstützt von Bikaner, vorübergehend eingenommen hatte. Das nächste Tor (Amrit Pol) war der Eingang des ursprünglichen Forts. Daneben hatte der Legende nach der Asket Chidianatha an einer Quelle seine Meditationshölle, wurde aber von Rao Jodha vertrieben, woraufhin er den Herrscher mit einem Fluch belegt – die häufigen Dürreperioden der Region sollen die Folge sein. 

An der Innenwand des letzten Tors (Loha Pol) fallen Handabdrücke ins Auge, die von Fürstenwitwen stammen, die sich mit ihren verstorbenen Männern verbrennen liessen. Allein sechs von ihnen waren mit Man Singh (verstorben in 1843) vermählt. 
Rechter Hand erhebt sich die rote Sandsteinfassade des Palastes über den gepflasterten schmalen Hof, links die mit breitem Wehrgang und noch einigen Kanonen versehene Bastion, von der aus man einen großartigen Blick auf Jodhpur mit seinen vielen blaugetünchten Häusern der Brahmanen hat. Auch dieser Palast entstand im Laufe der Jahrhunderte in mehreren Etappen und bietet sich heute als ein verschachtelter vielstöckiger Komplex aus Zimmern, Gängen und Höfen dar. Charakteristisch ist, dass der Wohnbereich der Frauen (Zenana) einen weitaus größeren Raum einnimmt als der der Männer (Mardana). Zum einen befand man sich oftmals auf Kriegszügen, zum andern war der Besitz mehrerer Frauen damals üblich. 

Durch das Suraj Pol betritt man den zum Museum erhobenen Teil des Palastes und gelangt zunächst in den zwischen 1707 und 1724 entstandenen Hof Dhaulat Khana mit dem gleichnamigen Saal (Schatzkammer), in der es heute eine Sänfte aus dem 18. Jh. zu bewundern gibt. Abhay Singh hatte das mit Gold und Schnitzwerk reich verzierte Prunkstück, das von zwölf Männern getragen werden mußte, im Jahre 1730 bei seinem Feldzug gegen Gujarat als Kriegsbeute mitgebracht. Es folgt eine Waffenkammer mit Schwertern, Dolchen und Keulen, von denen einige bereits aus dem 15. Jh. stammen. Auch ein Schwert des Mogulherrscher Akbar ist darunter und das gewaltige Khanda von Rewal Jodha. Ein weniger martialisches Bild bietet sich ein Stockwerk höher im Miniaturensaal Umaid Vilas mit Szenen des höfischen Lebens. Die meisten Bilder stammen aus dem 19. Jh. und fallen durch die Darstellung der Personen im Profil auf. Am stärksten vertreten ist naturgemäß. Die Jodhpurschule, die seit dem 18. Jh. durch den Mogulstil stark beeinflußt wurde, da nach dem Niedergang des Mogulimperiums viele Künstler zu den Fürstenhöfen der Rajputen abwanderten. Vom Miniaturensaal kann man auch einen Blick in den sehr schönen Spiegelsaal (Shish Mahal) werfen, das Schlafgemach des Zenana. In den Giebelfeldern über den Türen Abbildungen von Frauen, die Ganesh huldigen.Als Schlafgemach Thakat Vilas (1843-1873) diente der ein Stockwerk höher gelegene gleichnamige Raum, der verschwenderisch mit Tänzerinnen und Darstellungen aus der Krishnalegenderisch mit Tänzerinnen und Darstellungen aus der Krishnalegende und Szenen der Geschichte von Dhola und Maru ausgemalt wurde. Die von der Decke hängenden Glaskugeln (ca. 1900) sind hingegen eine Geschmacksverirrung europäischer Provenienz. Auf der gegenüberliegenden Seite des Umaid Vilas liegt, über eine Treppe erreichbar, der Blumenpalast (Phul Mahal), der durch seine Golddecke besticht, in der angeblich in 14 jaehriger Arbeit 80 kg des Edelmetalls verarbeitet worden sein sollen.


 Entlang der Schräge sind die Herrscher von Marwar in Medaillons verewigt. Den oberen Fries der Wand zieren Raginidarstellungen, in denen die unterschiedlichen der klassischen indischen Musik thematisieren bevorzugt Tages – und Jahreszeiten. So gibt es nacht - , Morgen -, Abend – und Monsunragas. Der Saal wurde als Diwan-i-Khas für private Festlichkeiten genutzt. Eine weitere Treppe führt hinauf zu einer Terrasse mit Blick über die Fassade und die Stadt, ehe es, vorbei an einer Ausstellung von Auto und Eisenbahnmodellen aus Elfenbein, hinab zum Moti Mahal Chowk , dem größten Hof der Palastanlage, geht. Der angrenzende, mit Goldarbeiten und Spiegeln üppig ausgestattete Thronsaal diente als öffentliche Audienzhalle, in der die Marwarherrscher auf einem silbernen Thron die Huldigungen ihrer Untergebenen entgegennahmen. Sehr schön lässt sich in diesem Hof die ungewöhnliche Bauweise der Palastanlage studieren. Die oberen Stockwerke sind durchgehend vorspringend gebaut, abgestützt von der tragenden Wand des Erdgeschosses durch dicht aneinandergereihte Konsolen. Aus dieser vorgezogenen Fassade ragen nochmals die Balkone hervor. Aus statischen Gründen mußte im Innern zwischen die Fensterfront und den dahinterliegenden Raum in der vertikalen Verlängerung der tragenden Grundmauer eine Stützwand hochgezogen werden, wodurch die schmalen Galerien entstanden, die für die Raumaufteilung Jodhpurs typisch sind. Ähnlich, aber qualitativ hochwertiger sind die Fassaden im angrenzenden kleinen Zenana Deori. Der Moti Mahal wird durch den schmalen fluegel des Jhanki Mahal (Haus der heimlichen Blicke) vom Singhar Choki Chowk getrennt. Die um den Hof liegenden Fluegel haben nur die Breite eines Raumes und sind dadurch besonders luftig und überdies mit ihren offenen Galerien und Erkern von extremer Leichtigkeit. Durch Jalis vor fremden Blicken geschützt, konnten von hier aus die Hofdamen an Geschehen ihrer unmittelbaren Umgebung teilhaben. 

Unterhalb des Forts bewahren die marmornen Kenotaphe von Jaswant Thada die Erinnerung an das Geschlecht der Rathors von Marwar. Besonders üppig ausgestattet ist die Gedenkstätte für den 1895 verstorbenen Jaswant Singh II., die an der Stelle seiner Verbrennung im Garten errichtet wurde. Ringsum haben weitere Herrscher ihre letzte Ruhe gefunden. 

Bereits vom Fort aus kan man deutlich den auf einer Erhebung am Ostrand der Stadt liegenden massigen Palastbau des Umaid Bhavan erkennen. Zu beeindrucken vermag er allerdings allenfalls durch seine Größe von fast 200 m Laenge und bis zu 100 m Breite. Der 347 Zimmer umfassende Bau wurde von Maharaja Umaid Singh im Jahre 1929 in Auftrag gegeben und erst 1943 fertiggestellt. Es handelt sich um eine typische Adaption europäischer Architektur, vermischt mit muslimischen, Rajputischen und persischen Elementen. Als Baumaterial wurden roter Sandstein und Marmor verwendet. Zunächst brachte man große Platten in die gewünschte Form, verzierte sie mit Steinmetzarbeiten und fügte sie dann am Bau zusammen, wobei besondere Sorgfalt auf das Verdecken der Stosskanten gelegt wurde. Unverkennbar hat sich der britische Architekt. H.V. Lanchester beim Entwurf an den Britischen Kolonialbauten in Neu-Delhi orientiert. Wie das dortige Kongressgebäude krönt auch den Umaid Bhavan eine Monumentalkuppel mit doppelter schale aus Beton und Sandstein. Statt luftiger, lichtdurchfluteter Räume erwarten den Besucher düstere, hohe Hallen, die an einen nebligen Londoner Novembertage erinnern, dafür aber an heißen Sommertagen angenehme Kühle versprechen. 

Heute ist in einem Teil des Palastes ein Luxushotel untergebracht, in einem kleineren Seitenflügel ein Museum, das in sehr geschmackvoller Aufmachung Kostbarkeiten und Kuriosa präsentiert. Der erste Raum widmet sich der Baugeschichte und zeigt ein Modell der Palastanlage sowie eine Sammlung exquisiter Waffen. In den folgenden Räumen kann man einen Blick auf das Tafelgeschirr werfen und die vom Maharaja gewonnenen Polo-Pokale zählen. Eher Kurios als wertvoll ist die Uhrensammlung, die Zeitmesser u. a. In Form von Windmühle, Dampfmaschinen und einem Kriegsschiff zeigt
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